Nützliches

Amazon verklagt Bewertungsfake-Firmen

Amazon und alle anderen Anbieter von Waren oder Dienstleistungen haben ein Problem: wie soll der Kunde sicher sein können, dass die Bewertungen über Ärzte, Fluglinien, Reiseportale, Staubsauger oder Kaffeemaschinen der Wahrheit entsprechen? Die Kunden lieben die „echten“ Bewertungen (so auch ich, gerade bei Hotels sehr hilfreich), es ist wahrscheinlich das wichtigste Marketinginstrument und Verkaufshilfe neben dem Preis. Umso schlimmer, wenn die Kunden sich auf die Bewertungen nicht verlassen können. Meiner Meinung nach sind gefühlt 50% der Bewertungen Fakes. Das größere Problem ist aber Amazon selbst: natürlich wäre es theoretisch denkbar, jede Rezension gegenzulesen und stichprobenartig Rückrufe oder Rückfragen vorzunehmen. Praktisch ist dies bei der Masse an Bewertungen nicht stemmbar. Schlecht für die Kunden, schlecht für große Anbieter, schlecht für Amazon.

Vielleicht hilft ihnen die Klage ja.

www.sueddeutsche.de/wirtschaft/produkt-rezensionen-amazon-klagt-gegen-anbieter-gefaelschter-bewertungen-1.2429384

Der „Finanzschutz“ von CosmosDirekt (mit wichtigem Update unten…)

Ein ganz erstaunliches Produkt flatterte mir heute per Post ins Haus(*). Ein „Finanzschutz“ für alle Offline und Online Geld-Betrügereien. Und das noch für nur knapp 8 EUR pro Jahr, also weniger als eine Oktoberfest-Maß.

Der innerliche Empörungs-Monk klatschte schon begeistert in die Hände: der nächste Versicherungs-Verriss war gesichert. Dachte ich. Aber um es kurz zu machen: falsch, ganz falsch. Das ist ein, vorallem für den Preis, richtig gutes Produkt.

  • Schutz bei allen Schäden im Zahlungsverkehr – online und offline
  • Weltweiter Schutz
  • Absicherung für die ganze Familie
  • Wir zahlen, wenn Ihre Bank nicht zahlt1

Die Allgemeine Versicherungsbedingungen für die FinanzSchutz-Versicherung (AFSB) geben Aufschluß über die Fallen: es gibt keine, höchstens eine kleine: unverzügliche Meldung an Polizei und Bank sowie dann an Cosmos ist nötig.

Ansonsten deckt dieser Schutz tatsächlich eine ganze Menge ab. Phishing ist versichert, Trojaner sind versichert, sogar Scheckbetrug ist dabei. Auch „Online-Bezahlvorgänge“ stehen unter Versicherungsschutz, prinzipiell der „Mißbrauch“ jeder eigenen Bezahltransaktion. Das ganze gilt weltweit. Ohne Zeitbeschränkung! Auch der Weltreisende profitiert also.

Der Schutz gilt aber nicht:

– wenn kein Mißbrauch vorliegt (eigene Schusseligkeit, zB an falsche Kontonummer gezahlt)

– Schäden über 10.000€ (Sublimit pro Jahr)

– Sekundärhaftung: das heißt Cosmos zahlt nur, wenn Bank / Transaktionsvermittler nicht haftet

Ich weiß nicht ob Cosmos eine gute Versicherung ist. Aber für 7,90€ bekommt man hier eine ganze Menge. Ich vermute mal, dass Cosmos sich so Kunden ins Haus holen (Stichwort: kleiner Finger) und diesen neuen Markt erobern will. Ich vermute aber auch, dass es dieses Produkt zu diesem Preis nicht lange geben wird: die relativ günstigen verbraucherfreundlichen Bedingungen locken natürlich auch betrügerisches Klientel an…

Wie auch immer: Empfehlung.

UPDATE: Cosmos hat mir die Ausstellung einer Police verweigert, 3 Tage nach Antragstellung. Ohne Begründung. Ich gehe daher davon aus, dass es sich bei diesem Produkt um ein Lockangebot handelt.

 

(*)
Disclaimer: ich habe eine Risikolebensversicherung bei Cosmos und erhalte sonst weder Geld noch irgendwelche Geschäftsbeziehungen zu Cosmos.
Links:
https://www.cosmosdirekt.de/finanz-schutz/#produktuebersicht
https://www.cosmosdirekt.de/CosmosCAE/S/linkableblob/home/5038-7089/data/Bedingungen-FinanzSchutz-Versicherung-data.pdf

Die Party ist vorbei – die neuen Regeln für Makler

Ab 2015(*) gelten neue Regeln für Makler. Update: Mitte März 2015 ist der Gesetzentwurf immer noch nicht verabschiedet. S o l l t e n die Regeln verabschiedet werden, lest ihr es hier zuerst.

Zurück zu den neuen Regeln:

Die hätten es in sich. Es wird das sogenannte „Bestellerprinzip“ eingeführt: wer den Makler beauftragt zahlt. Eigentlich logisch. Bisher hatten die Makler eine angenehme Position in unserem Wirtschaftssystem: sie wurden für eine Selbstverständlichkeit üppigst belohnt. Für das bloße Anbieten der Ware Wohnung wurden in der Regel 2 Monatsmieten fällig, gezahlt von der Mieterin.

Man stelle sich das mal für andere Waren vor: das Autohaus, das nach eingehender Beratung einen Golf zum Listenpreis verkauft und dafür zweitausend Euro Maklergebühr vom zukünftigen Golf-Fahrer kassiert. Die Bäckereifachangestellte, die für jedes verkaufte Stückes süßen Plunders nochmal zwanzig Cent Gebühr extra kassiert. Nein, wer sein Produkt loswerden will und sich über Makler oder Verkäufer oder Vermittler an den Kunden wendet, muss diese Dienstleistung selbst tragen. Und letztlich einpreisen. Und der Markt bestimmt, ob dieses Einpreisen angemessen ist. Das kann zwar in angespannten Wohnlagen zu einer weiteren Verschärfung führen, muss aber nicht. (Wie in diesen angespannten Märkten die Mietpreisbremse wirken wird darf mit Spannung erwartet werden. Wahrscheinlich ist, dass die Vermieter das Sprungbrett „Preise frei bei Sanierung“ exzessiv nutzen werden)

Das Paradies der Makler findet nun sein Ende und ich nehme vorweg, wie ich das finde: großartig.

Makler leisten etwas, aber zu welchem Preis

Natürlich hat niemand etwas dagegen den Maklern für ihre unzweifelhaft vorhandene Dienstleistung ein gewisses Entgelt zu zahlen. Wenn es sich denn im erträglichen Maß bewegt.Tut es aber nicht. Das es auch anders geht, zeigen die Konzertveranstalter: Ticketanbieter und Vorverkaufsstellen müssen Personal und Miete bezahlen, eine „Vorverkaufsgebühr“ wird also fällig. Die beträgt regelmäßig irgendwas mit drei Euro. Das läßt sich doch aushalten. Die Maklergebühren nicht.

Alle anderen Dienstleister preisen die Dienstleistung ein: die Versicherung, die Provisionen an den Versicherungsmakler zahlt. Die Zeitung, die einen kleinen Anteil an den Kioskbetreiber abtritt. Der Vermieter, der ohne Mühen seine Wohnung vermieten will. Nur die Makler nicht, die durften bisher bei den Mietern zulangen.

Was ändert sich genau?

Das -Achtung, Ungetüm- Gesetz zur Vermittlung von Wohnungen wird geändert, kurz WoVermRG.

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/143/1714361.pdf

Konkret:

 Der Wohnungsvermittler darf vom Wohnungssu-
chenden für die Vermittlung oder den Nachweis der Gele-
genheit zum Abschluss von Mietverträgen über Wohn-
räume kein Entgelt fordern, sich versprechen lassen oder
annehmen, es sei denn, der Wohnungssuchende hat mit
dem Wohnungsvermittler einen Maklervertrag geschlos-
sen, bevor der Vermieter oder ein anderer Berechtigter
den Wohnungsvermittler mit dem Angebot der Wohn-
räume beauftragt hat.

Wichtig hier das Wort „Wohnung„. Die neuen Regelungen gelten also nur für Wohnraum (das ist die gute Nachricht für Makler: im gewerblichen Bereich dürfen sie sich weiterhin voll einbringen.) Wer den Makler bestellt, muss ihn auch bezahlen. Nur wenn ein Mieter aktiv zum Makler geht und dieser für ihn tätig wird, darf der Makler ein Entgelt kassieren. (Dies übrigens immer noch nur in Höhe von zwei Monatsmieten, § 3 Absatz 2 Satz 1 wird nicht aufgehoben.)

Angebliche Verfassungswidrigkeit ist gar keine

Ohne den Schluß vorwegnehmen zu wollen: die Makler werden sich umgewöhnen müssen. Weg von der luxuriösen volkswirtschaftlich nutzlosen Maximalvergütung (wir erinnern uns: zwei Monatsmieten), hin zur Dienstleistung mit Stundenhonorar.

Der IVD (Anmerkung: der Verband (u.a.) der Makler) hat einen Professor gefunden, der dem Gesetzentwurf Verfassungswidrigkeit bescheinigt:

http://www.ivd.net/der-bundesverband/nachrichtendetail/archive/2014/september/article/ivd-gesetzentwurf-zum-bestellerprinzip-bricht-mit-koalitionsvertrag-und-verstoesst-gegen-die-verfas.html

Die Argumentationskette ist allerdings etwas dünn:

Das vorgelegte Bestellerprinzip ist ein Vertragsabschlussverbot für den Wohnungssuchenden. Selbst wenn dieser die Leistung des Maklers bezahlen will, darf der Makler diese Bezahlung nicht annehmen. Dies ist ein ungerechtfertigter Eingriff in die Vertragsfreiheit.

Hmm, nun ja. Das ist etwas halbgar dahergeredet. Denn welchen Vertrag will denn der Wohnungssuchende abschließen? Einen Mietvertrag! Das kann und darf er natürlich weiterhin. Warum sollte ein Wohnungssuchender einen Makler bezahlen „wollen“? Kein Wohnungssuchender will das, außer der „ich-will-1-Mio-in-Lehel-investieren-besorg-mir-ein-Loft“ Typ! Das vorgelegte Bestellerprinzip ist also kein Vertragsabschlussverbot, sondern ein Zwangsvertragsverhinderungsgebot.

Insgesamt also alles großartig.

Wäre da nicht der pfiffige IVD, der sogar einen „Flowfact-Award“ für die pfiffigste Umgehung des Gesetzes vergeben hat.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article134995470/Wohnungsmakler-wollen-Justizminister-austricksen.html

Im Luxussegment sollen entsprechende Wohnungen nicht mehr bei immowelt & co. laufen, sondern auf einer „versteckten“ Homepage, die „keiner findet“. Dann „ruft der Kunde den Makler an“ und bummsfallera muss er blechen. Oder so. Ich gebe dieser pfiffigen Umgehung exakt bis Mai 2015, dann hat das erste Amtsgericht das neue Gesetz angewendet und der schöne Flowfact-Award kann in die Tonne.

Aber davon ab: Makler werden gebraucht und der Maklerberuf wird nicht sterben.

Natürlich: es wird eine Bereinigung geben. Makler, die nun nicht ihr Geschäftsmodell anpassen oder nicht schon extrem gut im Markt verankert sind werden es schwer haben. Es spricht aber nichts dagegen, dass Makler ihre Dienstleistung zu einem angemessen Preis auf Stundenbasis anbieten und so auch in Zukunft ein solides Auskommen haben werden**. Was bleibt ihnen auch anderes übrig. Bei Immoscout24 habe ich gerade mal die 3 Zimmer Wohnungen für meinen Stadtteil angeschaut: 10 Wohungen, 5 mit Makler, 0 mit Provision für den Mieter.

Die große Party im Makler-Selbstbedienungsland, die ist vorbei. Gut so.

 

 

 

* = beschlossen Ende September 2015, http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einfuehrung-des-bestellerprinzips-makler-zittern-vor-der-mietpreisbremse-1.2152110

**= Fachhandwerkerhonorar liegt derzeit, so meine Praxiserfahung in Bayern, im Schnitt bei ca 40€. Seien wir großzügig und sagen 50€ pro Maklerstunde. 1 Stunde Vorbereitung. 2 Stunden Vorbesichtigung. 0,5 Stunde Anzeige schalten. 1 Stunde Anzeige verwalten (Anfragen von Mietern etc). 3 Kundentermine = 6 Stunden. Mietvertrag, Schlüsselübergabe, Sonstiges = 3 Stunden. Gesamt = 13,5h = 675 EUR. Das klingt doch akzeptabel. Mit 4 vermakelten Wohnungen kommt der Makler auf 2.700 EUR Umsatz im Monat. Bei 8 sind es schon 5.400 EUR. Traumjob!