Der „Finanzschutz“ von CosmosDirekt (mit wichtigem Update unten…)

Ein ganz erstaunliches Produkt flatterte mir heute per Post ins Haus(*). Ein „Finanzschutz“ für alle Offline und Online Geld-Betrügereien. Und das noch für nur knapp 8 EUR pro Jahr, also weniger als eine Oktoberfest-Maß.

Der innerliche Empörungs-Monk klatschte schon begeistert in die Hände: der nächste Versicherungs-Verriss war gesichert. Dachte ich. Aber um es kurz zu machen: falsch, ganz falsch. Das ist ein, vorallem für den Preis, richtig gutes Produkt.

  • Schutz bei allen Schäden im Zahlungsverkehr – online und offline
  • Weltweiter Schutz
  • Absicherung für die ganze Familie
  • Wir zahlen, wenn Ihre Bank nicht zahlt1

Die Allgemeine Versicherungsbedingungen für die FinanzSchutz-Versicherung (AFSB) geben Aufschluß über die Fallen: es gibt keine, höchstens eine kleine: unverzügliche Meldung an Polizei und Bank sowie dann an Cosmos ist nötig.

Ansonsten deckt dieser Schutz tatsächlich eine ganze Menge ab. Phishing ist versichert, Trojaner sind versichert, sogar Scheckbetrug ist dabei. Auch „Online-Bezahlvorgänge“ stehen unter Versicherungsschutz, prinzipiell der „Mißbrauch“ jeder eigenen Bezahltransaktion. Das ganze gilt weltweit. Ohne Zeitbeschränkung! Auch der Weltreisende profitiert also.

Der Schutz gilt aber nicht:

– wenn kein Mißbrauch vorliegt (eigene Schusseligkeit, zB an falsche Kontonummer gezahlt)

– Schäden über 10.000€ (Sublimit pro Jahr)

– Sekundärhaftung: das heißt Cosmos zahlt nur, wenn Bank / Transaktionsvermittler nicht haftet

Ich weiß nicht ob Cosmos eine gute Versicherung ist. Aber für 7,90€ bekommt man hier eine ganze Menge. Ich vermute mal, dass Cosmos sich so Kunden ins Haus holen (Stichwort: kleiner Finger) und diesen neuen Markt erobern will. Ich vermute aber auch, dass es dieses Produkt zu diesem Preis nicht lange geben wird: die relativ günstigen verbraucherfreundlichen Bedingungen locken natürlich auch betrügerisches Klientel an…

Wie auch immer: Empfehlung.

UPDATE: Cosmos hat mir die Ausstellung einer Police verweigert, 3 Tage nach Antragstellung. Ohne Begründung. Ich gehe daher davon aus, dass es sich bei diesem Produkt um ein Lockangebot handelt.

 

(*)
Disclaimer: ich habe eine Risikolebensversicherung bei Cosmos und erhalte sonst weder Geld noch irgendwelche Geschäftsbeziehungen zu Cosmos.
Links:
https://www.cosmosdirekt.de/finanz-schutz/#produktuebersicht
https://www.cosmosdirekt.de/CosmosCAE/S/linkableblob/home/5038-7089/data/Bedingungen-FinanzSchutz-Versicherung-data.pdf

Schüttelschorsch Schmids Altersversorgung ist sicher

Der ehemalige Fraktionsvorsitzende Schmid wurde heute zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt. Was das für seine Pensionsansprüche bedeutet, sei noch offen, schreibt die SZ.
Link http://www.sueddeutsche.de/bayern/prozess-in-augsburg-georg-schmid-zu-monaten-auf-bewaehrung-verurteilt-1.2398682

Nun bin ich kein Experte im bayrischen Beamtenrecht. Die Gesetzeslage scheint mir jedoch eindeutig zu sein: der Schorschi hat nichts zu befürchten.

Zunächst gilt für Herrn S. das Abgeordnetengesetz. Im bayrischen Landtag hat er sich über Jahrzehnte einen Pensionsanspruch erarbeitet. Im AbgeordnetenG findet sich keine Regelung über den Verlust von Pensionsbezügen, jedoch ein Verweis auf die allgemeinen beamtenrechtlichen Vorschriften (Artikel 19). Diese wiederum Regeln den Verlust der Versorgung in Artikel 80 Bayrisches Beamtengesetz. Und dort steht:
2 Jahre müssen es sein. Und das auch nur bei Vorsatzbegehung, fahrlässige Begehung reicht also nicht aus. Der hier vorgeworfene Sozialbetrug ist zwar ein vorsätzlich begehbares Delikt, jedoch wurde S. eben nicht zu mindestens 2 Jahren verurteilt.

Das Bay. BeamtenVG sieht in Artikel 80 noch 2 weitere Tatbestände, in denen man der Versorgung verlustig gehen kann, und zwar bei sog. Staatsschutzdelikten (Beispiel: Landesverrat) und bei Beamtenverurteilung, Artikel 80 Absatz 2 in Verbindung mit 24 BeamtStG. Dort, in 24 BeamtStG, steht wiederum, dass die Verurteilung zu 1 Jahr dazu führt, das der „Beamtenstatus zu beenden“ ist. Dies ist hier aber meines Erachtens nicht einschlägig. Denn S. war kein Beamter, sondern Abgeordneter. Beides gleichzeitig schließt sich aus. Da ihm kein Beamtenstatus in Wegfall geraten kann, kann er auch erst recht nicht seine Abgeordnetenbezüge verlieren.

Und das ist meiner Meinung auch richtig so. Ich habe nie verstanden, warum Menschen ihre Lebenspension genommen werden kann, weil sie Straftäter werden. Klar: Verbrecher können keine Beamten mehr sein. Aber warum es der Regelfall sein soll, ihnen alles zu nehmen und eine Rente in Armut zu verbringen kann mir keiner erklären. Ich finde das sehr ungerecht. Ginge es nach mir, wäre der Verlust der Versorgung nur bei Staatsschutzdelikten oder allerschwersten Verbrechen im Ausnahmefall, nach einer Abwägungsentscheidung, möglich. Der Grundgedanke „Beamte sind als Staatsdiener besonders gesetzesverpflichtet“ wird dadurch jedenfalls nicht unterlaufen.

Noch ein Schmankerl:
Laut Artikel 80 BayBeamtVG, Absatz 3, gilt auch Artikel 61 Bayrisches Beamtengesetz. Demnach könnte ausgerechnet Horst Seehofer hinsichtlich des Verlustes der Beamtenrechte was für Schüttelschorsch tun (wäre er Beamter, was er siehe oben ja nicht ist):
„Dem Ministerpräsidenten steht hinsichtlich des Verlustes der Beamtenrechte das Gnadenrecht zu.“

Da würde ich dann sagen: mach et, Horst.