About Florian Reinhardt

Dass ich in Hamburg geboren wurde, interessiert doch keine Sau. Die 30 Jahre in Eimsbüttel und am Stadtpark sind ja auch kaum der Rede wert. Ganz zu schweigen von meinen 6 Berliner Jahren, who cares? Höchstens die Charlottenburger und Kreuzberger, die meine Visage ertragen mussten, aber sonst? München hat schöne Biergärten, da bleib ich jetzt.

Posts by Florian Reinhardt :

AHS 005

Heute kommt der südöstlichste Podcast Deutschlands mit dem Fall der Woche: aus dem Betreuungsrecht und warum es manchmal schwierig ist, Menschen zu betreuen. Dann mit der Kuriosität der Woche, dem elektronischen Anwaltspostfach, der Super GAU der Bundesrechtsanwaltskammer. Zum Schluss die Frage der Woche: können „arme“ Menschen teure Prozesse führen und wenn ja, wie?

AHS 004

Jetzt gehts weiter. Die alten Folgen sind mitsamt dem alten Server für immer untergegangen, Schiffbruch sozusagen.

Mit frischem Mut sende ich ab jetzt wöchentlich (und wesentlich kürzer, maximal 15 Minuten pro Folge) aus Freilassing, dem wohl häßlichsten interessantesten Vorort Salzburg der Welt.

(Die Geräusche im Hintergrund werden weniger im Laufe der Sendung, sorry dafür.)

Bitte ab sofort eure „Frage der Woche“ stellen! https://twitter.com/AufhoherSeee

Grüße!

Beschlossen: Syndikusanwälte

Für Otto Normalverbraucher eine belanglose Sache, für uns Volljuristen von enormer Wichtigkeit:

Wie sind -angestellte- Volljuristen in Sache Rente einzustufen, wenn diese NICHT bei Rechtsanwaltsfirmen sondern in normalen Betrieben angestellt sind und für den Betrieb Rechtsfragen bearbeiten und auch nach außen (jedoch nicht vor Gericht) auftreten? Beispiel: der Hausjurist, der Beschwerden oder Vertragswiderrufe bearbeitet. Der Sachbearbeiter einer Versicherung mit Entscheidungsspielraum. Der Justiziar eines Verlages etc.

Dies ist nun gesetzlich geregelt:

Hier: http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/text.xav?SID=&tf=xaver.component.Text_0&tocf=&qmf=&hlf=xaver.component.Hitlist_0&bk=bgbl&start=%2F%2F*%5B%40node_id%3D%27946344%27%5D&skin=pdf&tlevel=-2&nohist=1

Dabei ist Dreh- und Angelpunkt § 46 Absatz 3:

„(3) Eine anwaltliche Tätigkeit (…) liegt vor wenn das Arbeitsverhältnis durch folgende fachlich unabhängig und eigenverantwortlich auszuübende Tätigkeiten sowie (!!) durch folgende Merkmale geprägt ist:

1. die Prüfung von Rechtsfragen, einschließlich der Aufklärung des Sachverhaltes sowie das Erarbeiten und Bewerten von Lösungsmöglichkeiten

2. die Erteilung von Rechtsrat

3. die Ausrichtung der Tätigkeit auf die Gestaltung von Rechtsverhältnissen, insbesondere durch das selbstständige Führen von Verhandlungen oder auf die Verwirklichung von Rechten und (!!)

4. die Befugnis nach außen verantwortlich aufzutreten

(4) Eine fachlich unabhängige Tätigkeit im Sinne Absatz 3 übt nicht aus, wer sich an Weisungen zu halten hat, die eine eigenständige Analyse der Rechtslage und eine einzelfallorientierte Rechtsberatung ausschließen. Die fachliche Unabhängigkeit der Berufsausübung des Syndikusrechtsanwaltes ist vertraglich und tatsächlich zu gewährleisten.“

Noch zwei weitere wichtige Aspekte werden geregelt:

– Syndikusanwälte dürfen ihren Arbeitgeber nicht vor den Landgerichten, Oberlandesgerichten und dem BGH vertreten (§ 46c) und keine anderen Mandanten sowieso nicht (§ 46 Absatz 5)

– die Entscheidung der Rechtsanwaltskammer (ob Syndikusanwalt ja oder nein) bindet die Rentenversicherung, die kann höchstens vor dem Anwaltsgericht dagegen vorgehen

Nun, und was heißt das jetzt? Meiner allerersten Einschätzung nach betrifft diese Regelung nur relativ „hohe Tiere“. Der kundige Jurist weiß die oben gekennzeichneten Wörtchen „sowie“ und „und“ einzuordnen: alle genannten Kriterien müssen nebeneinander erfüllt sein. Zusätzlich wird dann noch in Absatz 4 die vertragliche Fixierung gefordert. Praktisches Beispiel: Jurist Thomas ist Angestellter des fiktiven Verlages Pluto. Er bearbeitet Beschwerden im Sinne des Presserechts, Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzungen und betriebliche Arbeitsfragen. Dabei ist er dem Vorstand unterstellt und muss sich Entscheidungen über 100.000 € Streitwert abzeichnen lassen. Es fehlt dann wohl schon an der Eigenverantwortlichkeit, da er bei Entscheidungen über 100.000 € weisungsgebunden ist.

Nur die wenigsten angestellten Volljuristen dürften einen derartig weiten Spielraum in ihrem Arbeitsverhältnis haben, dass sie als Syndikusanwälte zugelassen werden können. Wer also weiterhin Rechtsanwalt sein will kann dies weiterhin nur im Nebenberuf mit der Folge, zweimal Rentenbeiträge zahlen zu müssen (im Versorgungswerk und bei der Rentenversicherung). Ich finde etwas niedrige Anforderungen hätten es hier auch getan, da nun nur sowieso gutverdienende Topjuristen vom neuen Gesetz profitieren dürften. Einerseits ein sozial gerechter Segen für die allgemeine Rentenkasse, aber das Bonbon für die „oberen 5.000“ hätte sich die Koalition doch dann verkneifen können, nein: sollen.

 

Griechenland wird wiederkommen

Kalinichta -gute Nacht-, Hellas. Jetzt sieht es doch so aus als wäre das „Hilfsprogramm“ der Gläubiger am Ende. 5 Jahre sparen, 5 Jahre Tristesse ohne jede Wirkung gehen zu Ende. Ein privater Bürger wäre nun bald für schuldenfrei erklärt worden, Griechenland hat mehr als je zuvor und ein verarmtes Volk dazu, zudem Tausende Flüchtlinge, mit denen sie von Europa alleingelassen werden. Nennenswerte Reformen sind nicht bekannt. Es ist eine moderne griechische Tragödie. Zu mutlos waren die Griechen vielleicht, haben sich vom Sirenengesang der Troika einlullen lassen, vom IWF vereinnahmen lassen was rückblickend mehr als fragwürdig ist

(http://www.taz.de/!5207320/).

Man muss mit der Opfer Täter Suche sowieso nicht nur in Griechenland beginnen, auch ein Blick auf Deutschland lohnt sich

(http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/europa-sand-im-getriebe-1.2532119).

Griechenland hat sich sein eigenes Grab geschaufelt, aber gerade die erste Reihe Europas hat fröhlich mitgeschaufelt.

Klar ist: Griechenland braucht ein modernes Staatswesen und eine funktionierende Verwaltung. Zumindest letzteres hatte es nie. Myriaden von zugeschacherten Beamtenposten wabern durch die Republik, ohne je sinnvoll eingesetzt zu werden. Wenn die 768.000 (http://www.welt.de/reise/article8729748/Das-kleine-Griechenland-hat-768-000-Beamte.html) Staatsbedienstete wenigstens innovativ und effektiv gewesen wären. Stattdessen war die griechische Verwaltung berühmt für die unendlichen Formulare und Genehmigungen die für jedes und alles nötig waren. Und die Steuermoral, oje, ein weites Feld. Wenn die Griechen ihr geheimes Auslandsvermögen versteuern würden, sie wären nahezu schuldenfrei.

Und keiner kann mir erzählen dass Griechenland nicht innovativ und modern sein könnte. Wer sich durch das Land bewegt sieht einige Alte auf Baststühlen dösen und viele Junge mit modernster Technik am Nabel der Zeit, sehnsüchtig nach Fortschritt. Aber wenn 768.000 Beamten satt den Staatshaushalt auffressen ist es halt schwer mit Fortschritt. Es gibt keine private Universität in Hellas, mehr muss man nicht wissen über die Chancen der Jugend. Und es war noch immer die Jugend die Treibstoff jeder Revolution war.

Nun also pleite. Pleite als Chance muss man hoffen. Natürlich werden die nächsten Monate schlimm, insbesondere der Winter, wenn die zahlenden Touristen weg sind. Die Bürger werden leiden, das ist unendlich traurig.

Dann wird es spannend sein ob die Griechen aber tatsächlich die EU und den EURO verlassen werden. Vieles spricht dafür das sie es tun, zu verlockend sind die volkswirtschaftlichen Möglichkeiten via Zölle & Steuern den Export und den BIP positiv zu lenken. Die Flüchtlinge würden -bis auf ein humanitäres Mindestmaß- weitergereicht werden ins reiche Europa. Ein großer Schuldenschnitt wäre eine Befreiung. Allein die isolierten Banken stünden blank da, Europa müsste zumindest für eine gewisse Zeit mit Transfers die größte Not lindern, damit Krankenversorgung, Renten und Ernährung stabil gewährleistet werden könnten. Das ist Europas Verantwortung. Viel besser wäre es natürlich gewesen einen Marshall Plan für Griechenland zu entwickeln, was billiger und nachhaltiger gewesen wäre. Nun bleibt nur noch der Scheidungsunterhalt.

Den Griechen wünsche ich jetzt Mut. Endlich können sie wie Norwegen nach Erdöl suchen und sich mit den Nachbarländern auf eine Förderung einigen, ohne dass die EU mitreden kann (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/vertraege-unterzeichnet-griechenland-hofft-auf-oelvorkommen-12939113.html),

private Unis zulassen und sich modernisieren. Sie dürfen nicht nachlassen mit den ersten zarten Reformen beispielsweise ein Katasteramt aufzubauen. Zu wissen, wem gehört ein Grundstück ist nicht spießig sondern Ausdruck von souveränen Staatshandeln. Sie müssen das Volk entscheiden lassen was gerecht ist: die reichen Reeder weiter mit Nullsteuerm verschonen? Wirklich immense Immobiliensteuer erheben in einem Land wo Immobilien Teil der Altersvorsorge sind? Warum nicht vorangehen und das Land digitalisieren, Steuerzahlungen und Belegerfassung vereinfachen? Warum nicht eine Sonderwirtschaftszone zulassen, die steuergünstig und verwaltungsfreundlich Start-Ups aus aller Welt anzieht zB im hippen Thessaloniki

(http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-04/thessaloniki-krise-griechenland-yannis-boutaris)?

Es ist einiges denkbar in diesem wunderbaren Land mit diesen wunderbar freundlichen Menschen. Griechisches Licht ist blau, tiefblau und seligmachend. Ich wurde mal spontan auf eine Hochzeit eingeladen, mitten auf einer griechischen Insel. Es war ein wunderbares Erlebnis und ein wunderschönes Fest. Am Ende des Abends wusste ich was Gute Nacht heißt. Kalinichta, Hellas. Mögest du bald wieder blühen.

Amazon verklagt Bewertungsfake-Firmen

Amazon und alle anderen Anbieter von Waren oder Dienstleistungen haben ein Problem: wie soll der Kunde sicher sein können, dass die Bewertungen über Ärzte, Fluglinien, Reiseportale, Staubsauger oder Kaffeemaschinen der Wahrheit entsprechen? Die Kunden lieben die „echten“ Bewertungen (so auch ich, gerade bei Hotels sehr hilfreich), es ist wahrscheinlich das wichtigste Marketinginstrument und Verkaufshilfe neben dem Preis. Umso schlimmer, wenn die Kunden sich auf die Bewertungen nicht verlassen können. Meiner Meinung nach sind gefühlt 50% der Bewertungen Fakes. Das größere Problem ist aber Amazon selbst: natürlich wäre es theoretisch denkbar, jede Rezension gegenzulesen und stichprobenartig Rückrufe oder Rückfragen vorzunehmen. Praktisch ist dies bei der Masse an Bewertungen nicht stemmbar. Schlecht für die Kunden, schlecht für große Anbieter, schlecht für Amazon.

Vielleicht hilft ihnen die Klage ja.

www.sueddeutsche.de/wirtschaft/produkt-rezensionen-amazon-klagt-gegen-anbieter-gefaelschter-bewertungen-1.2429384

Der „Finanzschutz“ von CosmosDirekt (mit wichtigem Update unten…)

Ein ganz erstaunliches Produkt flatterte mir heute per Post ins Haus(*). Ein „Finanzschutz“ für alle Offline und Online Geld-Betrügereien. Und das noch für nur knapp 8 EUR pro Jahr, also weniger als eine Oktoberfest-Maß.

Der innerliche Empörungs-Monk klatschte schon begeistert in die Hände: der nächste Versicherungs-Verriss war gesichert. Dachte ich. Aber um es kurz zu machen: falsch, ganz falsch. Das ist ein, vorallem für den Preis, richtig gutes Produkt.

  • Schutz bei allen Schäden im Zahlungsverkehr – online und offline
  • Weltweiter Schutz
  • Absicherung für die ganze Familie
  • Wir zahlen, wenn Ihre Bank nicht zahlt1

Die Allgemeine Versicherungsbedingungen für die FinanzSchutz-Versicherung (AFSB) geben Aufschluß über die Fallen: es gibt keine, höchstens eine kleine: unverzügliche Meldung an Polizei und Bank sowie dann an Cosmos ist nötig.

Ansonsten deckt dieser Schutz tatsächlich eine ganze Menge ab. Phishing ist versichert, Trojaner sind versichert, sogar Scheckbetrug ist dabei. Auch „Online-Bezahlvorgänge“ stehen unter Versicherungsschutz, prinzipiell der „Mißbrauch“ jeder eigenen Bezahltransaktion. Das ganze gilt weltweit. Ohne Zeitbeschränkung! Auch der Weltreisende profitiert also.

Der Schutz gilt aber nicht:

– wenn kein Mißbrauch vorliegt (eigene Schusseligkeit, zB an falsche Kontonummer gezahlt)

– Schäden über 10.000€ (Sublimit pro Jahr)

– Sekundärhaftung: das heißt Cosmos zahlt nur, wenn Bank / Transaktionsvermittler nicht haftet

Ich weiß nicht ob Cosmos eine gute Versicherung ist. Aber für 7,90€ bekommt man hier eine ganze Menge. Ich vermute mal, dass Cosmos sich so Kunden ins Haus holen (Stichwort: kleiner Finger) und diesen neuen Markt erobern will. Ich vermute aber auch, dass es dieses Produkt zu diesem Preis nicht lange geben wird: die relativ günstigen verbraucherfreundlichen Bedingungen locken natürlich auch betrügerisches Klientel an…

Wie auch immer: Empfehlung.

UPDATE: Cosmos hat mir die Ausstellung einer Police verweigert, 3 Tage nach Antragstellung. Ohne Begründung. Ich gehe daher davon aus, dass es sich bei diesem Produkt um ein Lockangebot handelt.

 

(*)
Disclaimer: ich habe eine Risikolebensversicherung bei Cosmos und erhalte sonst weder Geld noch irgendwelche Geschäftsbeziehungen zu Cosmos.
Links:
https://www.cosmosdirekt.de/finanz-schutz/#produktuebersicht
https://www.cosmosdirekt.de/CosmosCAE/S/linkableblob/home/5038-7089/data/Bedingungen-FinanzSchutz-Versicherung-data.pdf

Schüttelschorsch Schmids Altersversorgung ist sicher

Der ehemalige Fraktionsvorsitzende Schmid wurde heute zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt. Was das für seine Pensionsansprüche bedeutet, sei noch offen, schreibt die SZ.
Link http://www.sueddeutsche.de/bayern/prozess-in-augsburg-georg-schmid-zu-monaten-auf-bewaehrung-verurteilt-1.2398682

Nun bin ich kein Experte im bayrischen Beamtenrecht. Die Gesetzeslage scheint mir jedoch eindeutig zu sein: der Schorschi hat nichts zu befürchten.

Zunächst gilt für Herrn S. das Abgeordnetengesetz. Im bayrischen Landtag hat er sich über Jahrzehnte einen Pensionsanspruch erarbeitet. Im AbgeordnetenG findet sich keine Regelung über den Verlust von Pensionsbezügen, jedoch ein Verweis auf die allgemeinen beamtenrechtlichen Vorschriften (Artikel 19). Diese wiederum Regeln den Verlust der Versorgung in Artikel 80 Bayrisches Beamtengesetz. Und dort steht:
2 Jahre müssen es sein. Und das auch nur bei Vorsatzbegehung, fahrlässige Begehung reicht also nicht aus. Der hier vorgeworfene Sozialbetrug ist zwar ein vorsätzlich begehbares Delikt, jedoch wurde S. eben nicht zu mindestens 2 Jahren verurteilt.

Das Bay. BeamtenVG sieht in Artikel 80 noch 2 weitere Tatbestände, in denen man der Versorgung verlustig gehen kann, und zwar bei sog. Staatsschutzdelikten (Beispiel: Landesverrat) und bei Beamtenverurteilung, Artikel 80 Absatz 2 in Verbindung mit 24 BeamtStG. Dort, in 24 BeamtStG, steht wiederum, dass die Verurteilung zu 1 Jahr dazu führt, das der „Beamtenstatus zu beenden“ ist. Dies ist hier aber meines Erachtens nicht einschlägig. Denn S. war kein Beamter, sondern Abgeordneter. Beides gleichzeitig schließt sich aus. Da ihm kein Beamtenstatus in Wegfall geraten kann, kann er auch erst recht nicht seine Abgeordnetenbezüge verlieren.

Und das ist meiner Meinung auch richtig so. Ich habe nie verstanden, warum Menschen ihre Lebenspension genommen werden kann, weil sie Straftäter werden. Klar: Verbrecher können keine Beamten mehr sein. Aber warum es der Regelfall sein soll, ihnen alles zu nehmen und eine Rente in Armut zu verbringen kann mir keiner erklären. Ich finde das sehr ungerecht. Ginge es nach mir, wäre der Verlust der Versorgung nur bei Staatsschutzdelikten oder allerschwersten Verbrechen im Ausnahmefall, nach einer Abwägungsentscheidung, möglich. Der Grundgedanke „Beamte sind als Staatsdiener besonders gesetzesverpflichtet“ wird dadurch jedenfalls nicht unterlaufen.

Noch ein Schmankerl:
Laut Artikel 80 BayBeamtVG, Absatz 3, gilt auch Artikel 61 Bayrisches Beamtengesetz. Demnach könnte ausgerechnet Horst Seehofer hinsichtlich des Verlustes der Beamtenrechte was für Schüttelschorsch tun (wäre er Beamter, was er siehe oben ja nicht ist):
„Dem Ministerpräsidenten steht hinsichtlich des Verlustes der Beamtenrechte das Gnadenrecht zu.“

Da würde ich dann sagen: mach et, Horst.

Die Party ist vorbei – die neuen Regeln für Makler

Ab 2015(*) gelten neue Regeln für Makler. Update: Mitte März 2015 ist der Gesetzentwurf immer noch nicht verabschiedet. S o l l t e n die Regeln verabschiedet werden, lest ihr es hier zuerst.

Zurück zu den neuen Regeln:

Die hätten es in sich. Es wird das sogenannte „Bestellerprinzip“ eingeführt: wer den Makler beauftragt zahlt. Eigentlich logisch. Bisher hatten die Makler eine angenehme Position in unserem Wirtschaftssystem: sie wurden für eine Selbstverständlichkeit üppigst belohnt. Für das bloße Anbieten der Ware Wohnung wurden in der Regel 2 Monatsmieten fällig, gezahlt von der Mieterin.

Man stelle sich das mal für andere Waren vor: das Autohaus, das nach eingehender Beratung einen Golf zum Listenpreis verkauft und dafür zweitausend Euro Maklergebühr vom zukünftigen Golf-Fahrer kassiert. Die Bäckereifachangestellte, die für jedes verkaufte Stückes süßen Plunders nochmal zwanzig Cent Gebühr extra kassiert. Nein, wer sein Produkt loswerden will und sich über Makler oder Verkäufer oder Vermittler an den Kunden wendet, muss diese Dienstleistung selbst tragen. Und letztlich einpreisen. Und der Markt bestimmt, ob dieses Einpreisen angemessen ist. Das kann zwar in angespannten Wohnlagen zu einer weiteren Verschärfung führen, muss aber nicht. (Wie in diesen angespannten Märkten die Mietpreisbremse wirken wird darf mit Spannung erwartet werden. Wahrscheinlich ist, dass die Vermieter das Sprungbrett „Preise frei bei Sanierung“ exzessiv nutzen werden)

Das Paradies der Makler findet nun sein Ende und ich nehme vorweg, wie ich das finde: großartig.

Makler leisten etwas, aber zu welchem Preis

Natürlich hat niemand etwas dagegen den Maklern für ihre unzweifelhaft vorhandene Dienstleistung ein gewisses Entgelt zu zahlen. Wenn es sich denn im erträglichen Maß bewegt.Tut es aber nicht. Das es auch anders geht, zeigen die Konzertveranstalter: Ticketanbieter und Vorverkaufsstellen müssen Personal und Miete bezahlen, eine „Vorverkaufsgebühr“ wird also fällig. Die beträgt regelmäßig irgendwas mit drei Euro. Das läßt sich doch aushalten. Die Maklergebühren nicht.

Alle anderen Dienstleister preisen die Dienstleistung ein: die Versicherung, die Provisionen an den Versicherungsmakler zahlt. Die Zeitung, die einen kleinen Anteil an den Kioskbetreiber abtritt. Der Vermieter, der ohne Mühen seine Wohnung vermieten will. Nur die Makler nicht, die durften bisher bei den Mietern zulangen.

Was ändert sich genau?

Das -Achtung, Ungetüm- Gesetz zur Vermittlung von Wohnungen wird geändert, kurz WoVermRG.

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/143/1714361.pdf

Konkret:

 Der Wohnungsvermittler darf vom Wohnungssu-
chenden für die Vermittlung oder den Nachweis der Gele-
genheit zum Abschluss von Mietverträgen über Wohn-
räume kein Entgelt fordern, sich versprechen lassen oder
annehmen, es sei denn, der Wohnungssuchende hat mit
dem Wohnungsvermittler einen Maklervertrag geschlos-
sen, bevor der Vermieter oder ein anderer Berechtigter
den Wohnungsvermittler mit dem Angebot der Wohn-
räume beauftragt hat.

Wichtig hier das Wort „Wohnung„. Die neuen Regelungen gelten also nur für Wohnraum (das ist die gute Nachricht für Makler: im gewerblichen Bereich dürfen sie sich weiterhin voll einbringen.) Wer den Makler bestellt, muss ihn auch bezahlen. Nur wenn ein Mieter aktiv zum Makler geht und dieser für ihn tätig wird, darf der Makler ein Entgelt kassieren. (Dies übrigens immer noch nur in Höhe von zwei Monatsmieten, § 3 Absatz 2 Satz 1 wird nicht aufgehoben.)

Angebliche Verfassungswidrigkeit ist gar keine

Ohne den Schluß vorwegnehmen zu wollen: die Makler werden sich umgewöhnen müssen. Weg von der luxuriösen volkswirtschaftlich nutzlosen Maximalvergütung (wir erinnern uns: zwei Monatsmieten), hin zur Dienstleistung mit Stundenhonorar.

Der IVD (Anmerkung: der Verband (u.a.) der Makler) hat einen Professor gefunden, der dem Gesetzentwurf Verfassungswidrigkeit bescheinigt:

http://www.ivd.net/der-bundesverband/nachrichtendetail/archive/2014/september/article/ivd-gesetzentwurf-zum-bestellerprinzip-bricht-mit-koalitionsvertrag-und-verstoesst-gegen-die-verfas.html

Die Argumentationskette ist allerdings etwas dünn:

Das vorgelegte Bestellerprinzip ist ein Vertragsabschlussverbot für den Wohnungssuchenden. Selbst wenn dieser die Leistung des Maklers bezahlen will, darf der Makler diese Bezahlung nicht annehmen. Dies ist ein ungerechtfertigter Eingriff in die Vertragsfreiheit.

Hmm, nun ja. Das ist etwas halbgar dahergeredet. Denn welchen Vertrag will denn der Wohnungssuchende abschließen? Einen Mietvertrag! Das kann und darf er natürlich weiterhin. Warum sollte ein Wohnungssuchender einen Makler bezahlen „wollen“? Kein Wohnungssuchender will das, außer der „ich-will-1-Mio-in-Lehel-investieren-besorg-mir-ein-Loft“ Typ! Das vorgelegte Bestellerprinzip ist also kein Vertragsabschlussverbot, sondern ein Zwangsvertragsverhinderungsgebot.

Insgesamt also alles großartig.

Wäre da nicht der pfiffige IVD, der sogar einen „Flowfact-Award“ für die pfiffigste Umgehung des Gesetzes vergeben hat.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article134995470/Wohnungsmakler-wollen-Justizminister-austricksen.html

Im Luxussegment sollen entsprechende Wohnungen nicht mehr bei immowelt & co. laufen, sondern auf einer „versteckten“ Homepage, die „keiner findet“. Dann „ruft der Kunde den Makler an“ und bummsfallera muss er blechen. Oder so. Ich gebe dieser pfiffigen Umgehung exakt bis Mai 2015, dann hat das erste Amtsgericht das neue Gesetz angewendet und der schöne Flowfact-Award kann in die Tonne.

Aber davon ab: Makler werden gebraucht und der Maklerberuf wird nicht sterben.

Natürlich: es wird eine Bereinigung geben. Makler, die nun nicht ihr Geschäftsmodell anpassen oder nicht schon extrem gut im Markt verankert sind werden es schwer haben. Es spricht aber nichts dagegen, dass Makler ihre Dienstleistung zu einem angemessen Preis auf Stundenbasis anbieten und so auch in Zukunft ein solides Auskommen haben werden**. Was bleibt ihnen auch anderes übrig. Bei Immoscout24 habe ich gerade mal die 3 Zimmer Wohnungen für meinen Stadtteil angeschaut: 10 Wohungen, 5 mit Makler, 0 mit Provision für den Mieter.

Die große Party im Makler-Selbstbedienungsland, die ist vorbei. Gut so.

 

 

 

* = beschlossen Ende September 2015, http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einfuehrung-des-bestellerprinzips-makler-zittern-vor-der-mietpreisbremse-1.2152110

**= Fachhandwerkerhonorar liegt derzeit, so meine Praxiserfahung in Bayern, im Schnitt bei ca 40€. Seien wir großzügig und sagen 50€ pro Maklerstunde. 1 Stunde Vorbereitung. 2 Stunden Vorbesichtigung. 0,5 Stunde Anzeige schalten. 1 Stunde Anzeige verwalten (Anfragen von Mietern etc). 3 Kundentermine = 6 Stunden. Mietvertrag, Schlüsselübergabe, Sonstiges = 3 Stunden. Gesamt = 13,5h = 675 EUR. Das klingt doch akzeptabel. Mit 4 vermakelten Wohnungen kommt der Makler auf 2.700 EUR Umsatz im Monat. Bei 8 sind es schon 5.400 EUR. Traumjob!